Stuttgart, 26. Oktober 2026 – Baden-Württembergs Industrie blickt so optimistisch auf ihr Exportgeschäft wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Nach der aktuellen BWIHK-Konjunkturumfrage rechnen 36 Prozent der Industriebetriebe in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Ausfuhren, nur noch 17 Prozent erwarten Rückgänge. Im Frühjahr lagen Optimisten und Pessimisten mit 30 zu 25 Prozent noch deutlich näher beieinander. Trotz Zollstreitigkeiten, geopolitischer Unsicherheiten und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat sich die Stimmung damit deutlich aufgehellt.
Konjunktur
- 26. Oktober 2026
Trotz Zollstreit und Krisen: Südwestindustrie blickt wieder optimistisch auf die Weltmärkte – Exporterwartungen auf höchstem Stand seit 4 Jahren
Presseinformation 65
"Die Zahlen zeigen: Unsere Unternehmen haben das Zutrauen in ihre eigene Stärke nicht verloren. Und das ist eine gute Nachricht für unseren Wirtschaftsstandort. Wir haben hervorragende Produkte, innovative Technologien und enormes Know-how. Jetzt kommt es darauf an, daraus neue Geschäftsfelder zu entwickeln."
Claus Paal
BWIHK-Vizepräsident
Gleichzeitig sieht Paal die Politik in der Pflicht: Denn hohe Kosten, Bürokratie und internationale Handelshemmnisse belasteten die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erheblich. „Wir brauchen dringend bessere Standortbedingungen. Aber wir dürfen unseren Erfolg nicht davon abhängig machen, wann die Politik liefert. Unternehmerischer Erfolg entsteht nicht durch Abwarten, bis jemand anderes handelt. Er entsteht dort, wo Menschen Chancen erkennen, Entscheidungen treffen und Neues wagen. Und genau hier liegen die Stärken unserer Unternehmen.“
USA: Die Zuversicht ist zurück
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung auf dem amerikanischen Markt. Noch im Frühjahr 2025 hatten infolge der US-Zollpolitik 53 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Exporten in die Vereinigten Staaten gerechnet. Inzwischen hat sich das Bild gedreht: 38 Prozent erwarten steigende Ausfuhren, nur noch 21 Prozent einen Rückgang. Auch für Nordamerika insgesamt haben sich die Exporterwartungen deutlich erholt und wieder das Niveau vor dem Zollschock erreicht. „Die USA bleiben für unsere Industrie ein Schlüsselmarkt. Die Unternehmen lassen sich von handelspolitischen Turbulenzen nicht dauerhaft ausbremsen“, betont Paal. „Wer international erfolgreich sein will, muss auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Rückzug ist keine Wachstumsstrategie.“
Europa gewinnt – China bleibt Sorgenkind
Auch der europäische Binnenmarkt macht den Unternehmen wieder Hoffnung. Knapp jedes dritte Industrieunternehmen (32 Prozent) rechnet mit steigenden Exporten in die Eurozone, nur noch 17 Prozent mit Rückgängen. Die Erwartungen erreichen damit ebenfalls den höchsten Stand seit Anfang 2022.
Deutlich verhaltener fällt dagegen der Blick nach Asien aus. Zwar erwarten 30 Prozent der Betriebe steigende Ausfuhren in die Region, doch die Zuversicht wächst nur langsam. Besonders kritisch wird China bewertet: Dort rechnen inzwischen 32 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Exporten. Lediglich 20 Prozent erwarten Zuwächse. China ist damit unter den untersuchten Absatzregionen der einzige Markt, in dem die Pessimisten klar überwiegen.
„Die Weltmärkte sortieren sich neu. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine riesige Chance“, sagt Paal. „Neue Märkte, neue Kunden, neue Technologien und neue Geschäftsmodelle stehen bereit. Wir müssen sie jetzt erschließen.“
Paal: „Unternehmertum heißt gestalten, nicht abwarten“
Für den BWIHK-Vizepräsidenten ist die Aufhellung der Exporterwartungen deshalb mehr als ein konjunkturelles Signal. Sie ist ein Anlass, den Blick wieder stärker nach vorne zu richten.
„Ich appelliere an alle Unternehmerinnen und Unternehmer: Stellen wir den Optimismus wieder in den Vordergrund! Nur über die Verhältnisse zu schimpfen und auf bessere Zeiten zu warten, bringt uns keinen einzigen neuen Auftrag“, sagt Paal. „Unsere Wirtschaft hat schon ganz andere Umbrüche gemeistert. Nicht durch Abwarten, sondern durch Mut, Ideen und unternehmerische Entschlossenheit. Genau diese Haltung brauchen wir jetzt wieder.“
Hintergrund
An der Konjunkturumfrage der zwölf IHKs in Baden-Württemberg für Herbst `26 haben sich 1.098 Industrieunternehmen beteiligt. Die Befragung fand zwischen 14. September und 2. Oktober statt. Die Vergleichswerte stammen aus der BWIHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer `26.
Claus Paal ist BWIHK-Vizepräsident und Präsident der IHK Region Stuttgart. Die IHK Region Stuttgart ist im BWIHK federführend für das Thema Außenwirtschaft.
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