Stuttgart, 21. Oktober 2026 – Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwürttemberg, die im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) zu Fragen von Wohnungsbau und Immobilienwirtschaft federführend ist, sieht die Diskussion um die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin äußerst kritisch und lehnt sie ab. Die geplante Überführung privater Wohnungsbestände von großen Wohnungsbauunternehmen in öffentliches Eigentum würde erhebliche finanzielle Mittel binden, ohne zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. „Zugleich werden dadurch dringend benötigte Investitionen in den Wohnungsbau massiv gefährdet“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler.
Nach den diskutierten Plänen könnten rund 160.000 Wohnungen in Berlin von einer Vergesellschaftung betroffen sein. Die Sondierungspartner sehen für die Entschädigung eine Obergrenze von 16 Milliarden Euro vor. Aus Wirtschaftssicht wäre dieses Kapital deutlich wirksamer eingesetzt, wenn es direkt in den Neubau von Wohnungen sowie in die Erschließung von Bauflächen und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren fließen würde.
„Die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt lassen sich nicht durch die Überführung bestehender Wohnungen in staatliches Eigentum lösen. Notwendig ist vielmehr das Bauen zusätzlicher Wohnungen durch kräftige Investitionen in den Neubau. Durch die Verbesserung von Rahmenbedingungen für Bauträger und Wohnungsbaugesellschaften kann mehr von diesem unbedingt benötigten Kapital ausgelöst werden“, betont Thilo Rentschler.
Schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie sowie wirtschaftlich tragfähige Vorgaben sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass private und öffentliche Investitionen in den Wohnungsbau mobilisiert werden können. „Nur wenn ausreichend gebaut wird und dadurch das Angebot nachhaltig erhöht, kann der Druck auf den Wohnungsmärkten reduziert werden. Geht man von einem durchschnittlichen Lebenszyklus von 50 Jahren bei Wohnungen aus, muss in Deutschland rund 2 Prozent des Wohnungsbestands jedes Jahr neugebaut oder generalsaniert werden. Wird weniger gebaut oder saniert, verliert der Wohnungsmarkt automatisch Jahr für Jahr an Angebot, dadurch steigt der Druck auf Mieten zusätzlich an“, erläutert Thilo Rentschler.
Werden Eigentumsrechte grundsätzlich infrage gestellt, steigt die Unsicherheit für Investoren, Projektentwickler und Finanzierer. „Dies führt dazu, dass Investitionen zurückgestellt oder ganz unterlassen werden. Das ist ein Bärendienst an der Sache, mehr verfügbaren und bezahlbaren Wohnraum zu erstellen“, so Rentschler.
